Die Geschichte des Klosters ist keine lineare Abfolge eines einzigen Bauwerks. St. Georgen wurde mehrfach zerstört, wieder aufgebaut, konfessionell umkämpft und schließlich institutionell nach Villingen verlagert.
1083
Beginn des Gründungsprozesses
A · primär / archäologisch Hezelo und Hesso planen zunächst eine Klostergründung in Wald, dem heutigen Königseggwald. Hezelo übergibt am 4. Januar 1083 den Ort treuhänderisch an Manegold von Altshausen. Konrad tritt als dritter Mitstifter hinzu. Wilhelm von Hirsau wird mit Aufbau und Einrichtung befasst.
24. Juni 1085
Weihe der hölzernen Kapelle
A · primär / archäologisch Nach der Verlegung des Projekts auf den „Scheitel Alemanniens“ entstehen nach Rodungsarbeiten erste Behausungen und eine hölzerne Kapelle. Ihr genauer Standort ist heute unbekannt.
13. Januar 1086
Bestätigung und Verselbständigung
A · primär / archäologisch Hezelo bestätigt die Translation und Ausstattung des Klosters. Im selben Jahr wird St. Georgen aus der Stellung als Hirsauer Zelle in die Selbständigkeit entlassen.
1088–1119
Abbatiat Theogers
A · primär / archäologisch Unter Theoger wächst das Kloster wirtschaftlich und geistlich; es entwickelt seine größte Reformwirkung. 1117 wird Theoger zum Bischof von Metz gewählt, 1118 geweiht.
8. März 1095
Papst Urban II.
A · primär / archäologisch Urban II. nimmt St. Georgen in päpstlichen Schutz und gewährt unter anderem freie Wahl von Abt und Vogt. Das Original liegt im Generallandesarchiv Karlsruhe, GLA B 5.
28. Januar 1108
Urkunde Heinrichs V.
A · primär / archäologisch König Heinrich V. bestätigt Rechte und Besitz. Die Urkunde ist in der MGH-Datenbank erschlossen.
1139
Privileg Innozenz’ II.
A · primär / archäologisch Ein päpstliches Privileg bestätigt Besitz und Beziehungen des Klosters; die Phase steht für die Verdichtung des St. Georgener Netzwerks.
26. März 1179
Privileg Alexanders III.
A · primär / archäologisch Alexander III. nimmt das Kloster in Schutz und bestätigt zahlreiche Besitzungen und Freiheiten. Die Urkunde ist eine zentrale Quelle für Besitz- und Beziehungsräume des 12. Jahrhunderts.
1224
Großer Klosterbrand
A · primär / archäologisch Das Kloster wird durch Brand zerstört. Während des Wiederaufbaus wich der Konvent vermutlich zeitweise nach Villingen aus.
1255
Weihe des Neubaus
A · primär / archäologisch Nach jahrzehntelangem Wiederaufbau wird eine neue Kirche geweiht. Der genaue bauliche Umfang dieser Phase lässt sich bislang nicht eindeutig mit den Grabungsbefunden verbinden.
14. Jahrhundert
Weitere Brände und Krisen
A · primär / archäologisch Quellen berichten von mehreren Bränden (u. a. um 1307/16, 1334/47 und 1391). Wirtschaftliche Belastungen und politische Konflikte prägen das Jahrhundert.
um 1475–1496
Spätgotischer Neubau
A · primär / archäologisch Nach einem erneuten Brand wird die Kirche im späten 15. Jahrhundert grundlegend neu errichtet: polygonaler Langchor mit fünf Gewölbejochen und einschiffiges Langhaus. Unter Abt Georg von Asch wird auch die Klausur teilweise erneuert.
1496
Weihe von sechs Altären
A · primär / archäologisch In der neuen spätgotischen Kirche werden sechs Altäre geweiht. Weitere Quellen nennen Weihen in Sakristei, Marienkapelle, Abtshauskapelle und Wolfgangkapelle.
1534–1536
Reformation, Vertreibung, Villingen
A · primär / archäologisch Herzog Ulrich führt 1534 die Reformation in Württemberg ein; die Mönche werden aus der Anlage vertrieben. Nach einer Zwischenstation in Rottweil siedelt der katholische Konvent 1536 nach Villingen über.
1548–1552/56
Vorübergehende Rückkehr
A · primär / archäologisch Im Zuge des Augsburger Interims kehrt der Konvent 1548 vorübergehend nach St. Georgen zurück; Bau- und Ausstattungsarbeiten sind nachweisbar. Die politische Entwicklung macht die Rückkehr wieder rückgängig.
1629–1648
Restitution und Dreißigjähriger Krieg
A · primär / archäologisch Das Restitutionsedikt ermöglicht eine erneute katholische Präsenz. 1632 wird inventarisiert; 1633/34 kommt es zur Brandzerstörung. Die Kirche wird bis 1636 teilweise wiederhergestellt. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 endet die Rückkehrperspektive endgültig.
1688–1725
Barockes Kloster in Villingen
A · primär / archäologisch Der in Villingen fortbestehende Konvent errichtet eine neue Gesamtanlage. Die Kirche wird 1725 geweiht.
1806
Aufhebung des Villinger Klosters
A · primär / archäologisch Mit der Säkularisation wird das katholische Benediktinerkloster aufgehoben. Ehemalige Mönche wirken noch einige Jahre im Unterricht.
1865
Stadtbrand und Niederlegung
A · primär / archäologisch Nach dem Stadtbrand wird die bereits verfallende ehemalige Klosterkirche vollständig niedergelegt.
1905 / 1966 / um 1970
Weitere Verluste der Bausubstanz
A · primär / archäologisch 1905 fallen Amtshaus und Teile des Klausurwestflügels; 1966 wird der Fruchtkasten über dem Südflügelkeller abgebrochen. Reste der Klostermauer bestehen im Süden und Osten bis um 1970.
1958/59
Archäologische Großgrabung
A · primär / archäologisch Beim Ausbau des Schulgeländes werden zahlreiche Mauerzüge von Klausur, Kreuzgang und Wirtschaftsgebäuden dokumentiert. Die Grabungsdokumentation erlaubt nicht für alle Befunde sichere Bauphasen oder Funktionszuweisungen.
2019
Neue Grabungen unter dem Schulhof
A · primär / archäologisch Bei Bauarbeiten werden erneut Klosterreste untersucht, darunter der Bereich des 1966 abgebrochenen Fruchtkastens bzw. Südflügelkellers.
Heute
Das Kloster als verteiltes Kulturerbe
B · wissenschaftlich rekonstruiert Am Ort bleiben archäologische Spuren, Lapidarium und Laurentiuskirche; zentrale Archivalien und Kunstwerke liegen in Karlsruhe, Villingen, Rottweil und weiteren Sammlungen. Digitale Vermittlung kann diese Fragmente wieder zusammenführen.