Digitales Kloster St. Georgen · Arbeits- und Informationsstand 2026

Forschung & offene Fragen

Evidenz, Unsicherheiten und eine Forschungsagenda für digitale Rekonstruktion und hybride Ausstellung.

Die Stärke des Projekts liegt nicht darin, Unsicherheiten zu verstecken, sondern sie sichtbar und erforschbar zu machen. Das verschwundene Kloster eignet sich damit als Beispiel für wissenschaftlich transparente digitale Rekonstruktion.

Was wir relativ gut wissen

A · primär / archäologisch

Lage und Grundorganisation

Kirche nördlich der vierflügeligen Klausur, Marienkapelle im Osten, Wirtschaftsbereiche im Süden und Westen, Zugang südwestlich der Kirchenfassade, St. Lorenz westlich beim Hospiz.

A · primär / archäologisch

Mehrere Bauphasen

Gründungsphase, romanischer Großbau, Brand 1224 und Neubau, weitere mittelalterliche Brände, spätgotischer Neubau, frühneuzeitliche Reparaturen und Restitutionsbauten.

A · primär / archäologisch

Erhaltene materielle Zeugnisse

Apsidenbefunde, zahlreiche Mauerzüge, Bauplastik, Grabsteine und weitere Funde bilden eine reale Basis für 3D-Erfassung.

A · primär / archäologisch

Schriftliche Überlieferung

Notitiae, Papst- und Königsurkunden, Vita Theogeri, Annalen, spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Verwaltungsquellen sowie Gaisser-Tagebücher.

Offene Fragen

ForschungsfragePotenzial für das Projekt
Wo stand die erste Holzkirche?AR kann den bekannten Suchraum zeigen, statt einen erfundenen exakten Standort.
Welche 1958/59 dokumentierten Mauern gehören zu welcher Bauphase?Neu-Georeferenzierung und Abgleich mit 2019, historischen Plänen und GIS.
Welche Funktionen hatten einzelne Klausur- und Wirtschaftsgebäude?Quellen, Inventare und Vergleichsbauten systematisch abgleichen.
Wo lagen die spätmittelalterlichen Kapellen?Mehrere Rekonstruktionsvarianten als Hypothesen-Layer darstellen.
Welche Steine besitzen gesicherte Fundorte?Digitales Lapidarium mit Fundort, Bauphase und 3D-Modell.
Welche Handschriften stammen wirklich aus dem Schwarzwaldkloster vor 1536?Provenienzforschung mit BLB-Daten statt Gleichsetzung der Signatur „St. Georgen“ mit Herstellungsort.
Wo befinden sich heute alle Kunstwerke und Archivalien?Virtuelle „Digital Repatriation“ und verteilte Sammlung.

Empfohlene Projektlogik

1 · Quellen

Source first

Jedes Objekt, jede Person, jedes Gebäude und jede Rekonstruktionsaussage bekommt Quellenverweise und Evidenzgrad.

2 · Daten

Ein gemeinsames Modell

Web, AR, ExploraVision und Ausstellung sollten aus derselben kuratierten Objekt-, Personen-, Orts- und Ereignisdatenbasis gespeist werden.

3 · Vermittlung

Unsicherheit interaktiv

Nutzer können zwischen „nur belegt“, „wissenschaftlich rekonstruiert“ und „Hypothesen anzeigen“ wechseln.

Nächste Forschungszugänge

Landesamt für Denkmalpflege

Grabungsunterlagen 1958/59 und 2019, Befundnummern, Pläne, Fotos, Georeferenzierung, Rechte und Ansprechpartner.

Verein für Heimatgeschichte

Objektwissen, Fundgeschichten, lokale Publikationen, historische Fotos, Führungswissen und Kontakte.

Archive

Generallandesarchiv Karlsruhe, Stadtarchiv Villingen-Schwenningen, Erzbischöfliches Archiv Freiburg: Urkunden, Inventare, Urbare, Bau- und Verwaltungsakten.

Museen & Bibliotheken

BLB Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Landesmuseum Württemberg / Rottweil und Villinger Einrichtungen: Digitalisate, Provenienzen und Objektstatus.

Zur Rekonstruktionsgrafik: Die auf der Startseite eingebundene Illustration eignet sich als Kommunikations- und Gestaltungsidee. Sie darf nicht als wissenschaftlich exakter Plan publiziert werden, bevor Gebäude, Landschaftselemente, Beschriftungen und Bauphasen einzeln gegen Grabungs- und Quellenbefund geprüft wurden.

Fachliche Kernquellen

Badisches Klosterbuch / LEO-BW · Untermann: Baugeschichte · Notitiae · Vita Theogeri · Lapidarium