Vom mittelalterlichen Kloster St. Georgen ist am historischen Ort nur wenig unmittelbar sichtbar. Seine Geschichte lässt sich jedoch aus Urkunden, mittelalterlichen Texten, archäologischen Befunden, Steinfragmenten, Handschriften, Kunstwerken und der Fortsetzung des Konvents in Villingen erstaunlich weit erschließen.
Das verschwundene Kloster digital wieder zusammensetzen
Diese Seiten bündeln den derzeit greifbaren Wissensstand als Grundlage für Web, Mobile Augmented Reality, ExploraVision, eine reale oder hybride Ausstellung und weitere Forschung. Rekonstruktionen sollen nie als „Originalzustand“ ausgegeben werden, sondern ihren Evidenzgrad sichtbar machen.

Das Kloster in sechs Sätzen
Gründung als Reformkloster
Die Gründung vollzog sich zwischen 1083 und 1086. Ausgangspunkt war eine Stiftung Hezelos und Hessos; Wilhelm von Hirsau setzte den späteren Schwarzwaldstandort durch. Die hölzerne Kapelle wurde am 24. Juni 1085 geweiht.
Romanische Großanlage
Archäologische Befunde und Bauplastik sprechen für eine große romanische Säulenbasilika mit Querhaus und fünf Apsiden. Kirche und Klausur sind nur teilweise rekonstruiert.
Reformzentrum des 12. Jahrhunderts
Unter Abt Theoger entwickelte St. Georgen eine weitreichende Reformwirkung. Beziehungen führten nach Lothringen, ins Elsass, nach Schwaben und bis nach Admont.
Wiederholte Brände und Neubauten
1224 wurde das Kloster durch Brand zerstört, 1255 die neue Kirche geweiht. Weitere Brände im 14. Jahrhundert und um 1475 führten zu Umbauten; 1496 wurden in der neuen spätgotischen Kirche sechs Altäre geweiht.
St. Georgen und Villingen
Die Reformation führte 1534/36 zur Vertreibung und Übersiedlung des katholischen Konvents nach Villingen. 1548 kam es zu einer zeitweiligen Rückkehr. Die Villinger Gemeinschaft verstand sich als Fortsetzung des alten Klosters und bestand bis 1806.
Ein Kloster aus Fragmenten
Grabungen 1958/59 und 2019, das lokale Lapidarium, Handschriften in Karlsruhe, Urkunden in Archiven und verstreute Kunstwerke erlauben heute eine digitale „Wiedervereinigung“ der Überlieferung.
Evidenzstufen
| Stufe | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| A | Primär belegt: zeitgenössische Urkunde, Inschrift oder archäologischer Befund. | Urkunde Urbans II. von 1095; ergrabene Apsiden. |
| B | Wissenschaftlich rekonstruiert aus mehreren Befunden und Vergleichen. | Rekonstruktion der romanischen Basilika. |
| C | Historische bzw. lokale Überlieferung, die quellenkritisch einzuordnen ist. | ältere Klostergeschichten des 19. Jahrhunderts. |
| H | Plausible Hypothese ohne ausreichenden direkten Nachweis. | exakte Lage einzelner spätmittelalterlicher Kapellen. |
Wissenschaftliche Startpunkte
St. Georgen, Benediktiner
Aktuelle Gesamtdarstellung mit Geschichte, Bau- und Kunstgeschichte, Quellen und Bibliographie.
ÖffnenHandschriften St. Georgen / Villingen
Bestandsbeschreibung und laufende Tiefenerschließung der Handschriften.
ÖffnenBaugeschichtliche Forschung
Matthias Untermann: Nachrichten zur Baugeschichte von Kirche und Klausurbauten.
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